Mühlen erstehen als Spielplatz wieder auf

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Mittwoch, 06. Mai 2020

ENDERNDORF (ley) – Es war ein feiner, aber für das Besucheraufkommen viel zu kleiner Spielplatz, der bis vor gar nicht langer Zeit nahe der Enderndorfer Schiffsanlegestelle seine jungen Nutzer erfreute. Nun dürfen sie sich einer neuen Version erfreuen, die fast 15mal so groß ist und für alle Altersgruppen etwas bietet. Die Einweihung der Anlage hatte allerdings einen nicht unwesentlichen Schönheitsfehler: Aufgrund der Corona-Auflagen fehlten die Kinder.

Sie dürfen sich so also noch etwas in Vorfreude üben. Mit dem Pressetermin, zu dem sich neben den Medienvertretern nur die Verantwortlichen einfanden, wolle man zeigen, dass der Zweckverband Brombachsee (ZVB) „seine Maßnahmen für Gäste und Einheimische weiter voranbringt“. So betonte es der Vorsitzende Gerhard Wägemann, scheidender Weißenburg-Gunzenhausener Landrat. Denn „es kommt ja auch mal eine Zeit nach der Krise!“ Und dann wird es hier von Buben und Mädchen nur so wimmeln. Aber eben ohne dass sich die Kleinen dabei selbst im Weg sind. Denn mit der Enge ist es nun vorbei: Der neue Spielplatz erstreckt sich über eine Fläche von 1700 Quadratmeter. Er ist dem Thema „Mühlen“ gewidmet, die beim Bau des Seenlandes dem Wasser weichen mussten. Entworfen und gebaut hat ihn ein international agierende Familienunternehmen für Spielplatzgeräte aus dem unterfränkischen Röttingen. Entgegen ihrem Namen setzte der Betrieb „Eibe“ aber nicht auf die nicht unbedenkliche, gleichnamige Pflanze als Baumaterial, sondern auf die Robinie. Die hat zwar ihren Preis, ist dafür aber höchst witterungsbeständig und soll so für eine lange Lebensdauer der Spielgeräte sorgen. Zudem ist das Holz nicht einfach zu bearbeiten, weswegen bei der individuellen Herstellung Handwerkskunst gefragt war, wie Firmenvertreter Karl-Heinz Schlicker bei der Einweihung betonte. Die Gesamtsumme spiegelt die hohe Wertigkeit wieder: 170.000 Euro netto kostet die Anlage – rechnerisch also 100 Euro pro Quadratmeter. „Es hat durchaus eine Debatte über die Kosten gegeben“, so Wägemann. Letztlich aber habe sich die Einsicht durchgesetzt, dass es sich hier um eine wichtige „Investition in die Zukunft“ handle – nämlich in die junge Generation, die sich am Brombachsee natürlich wohl fühlen soll. Große Unterstützung gab es vom Bezirk, der die Hälfte der Summe übernahm. Die Gelder stammen aus einem mit 300.000 Euro gefüllten Fördertopf, mit dem nachhaltige und barrierefreie Projekte der Seenzweckverbände unterstützt werden sollen, wie Bezirkstagsvizepräsidentin Christa Naaß erläuterte. Im November vergangenen Jahres gab es den Zuschlag für den Enderndorfer Spielplatz, auf dem eine Vielzahl von Geräten auch von Menschen mit Behinderung nutzbar sind. So verfügt beispielsweise das Bodentrampolin über eine weiche Federung und die entsprechende Größe, dass auch Rollstuhlfahrer es nutzen können. Zudem wird viel auf die Möglichkeiten zum gemeinsamen Erleben geachtet. Auf der Nestschaukel etwa finden Eltern mit ihren Kindern Platz. Seilbahn, Schaukel, Rutschtürme, Sanderlebnisbereich und vieles mehr prägen die Anlage. Auch für schattenspendende Bäume und Bänke zum Ausruhen ist gesorgt. Der Kleinkindbereich befindet sich übrigens in gebührender Entfernung vom See, so dass von ihm für die Kinder keine Gefahr droht. Aus dem zentralen, einer Mühle nachempfundenen Spielelement, ist ein eigenes Erfahrungsfeld geworden. Insgesamt deckt die Anlage mit über zehn Spielbereichen die Bedürfnisse aller Altersgruppen ab. Neben Abenteuerwald, Barfußpfad, behindertengerechter Schiffsanlegestelle und weiteren Attraktionen bilde der Spielplatz nun „einen weiteren wichtigen Mosaikstein der Enderndorfer Freizeitanlage, der sehr gut ins Gesamtkonzept mit seinen unterschiedlichen Bewegungsangeboten passt“, so Spalts Bürgermeister Udo Weingart. Die Spielelemente des über 20 Jahre alten Vorgängerspielplatzes mit seinen 125 Quadratmetern finden übrigens zudem noch Verwendung: Sie werden saniert und am Hahnenkammsee wieder aufgebaut – eine Weiternutzung, die ebenso dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung trägt. Mit der Verwirklichung des neuen Projekts entstand nach den Plätzen in Ramsberg und Allmannsdorf in Enderndorf nun die dritte große Spielanlage am Brombachsee. So ganz fertig ist sie allerdings noch nicht. Die angesäte Begrünung muss noch anwachsen. Und es fehlt noch ein ganz wichtiges Element: der Wasserlauf mit den Wasserspielgeräten. Dieser kann erst im Herbst errichtet werden, da er mit Seewasser gespeist wird. „Hierzu aber gilt es erst noch eine Saugleitung zu verlegen, was aufgrund des aktuellen, erfreulich hohen Wasserstandes nicht möglich ist,“ erläuterte Wägemann.

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